Brauchst du als Tätowierer eine Website, wenn Instagram läuft?

Illustration: Ein Smartphone zeigt einen Feed mit Tätowierungen, daneben eine Lupe über einer leeren Seite und eine unsichere Person mit Fragezeichen.

Die Bilder überzeugen. Die Fragen bleiben.

Jemand will sein erstes Tattoo. Dein Stil gefällt ihr, sie hat deine Reels gesehen und dein Profil einer Freundin gezeigt. Bevor sie dir schreibt, möchte sie aber noch etwas anderes wissen: wie sauber du arbeitest, welche Farben du verwendest und was nach dem Termin auf sie zukommt. Darauf gibt dein Feed keine Antwort, so gut die Bilder auch sind.

Für die Bilder ist Instagram der richtige Ort, und das soll so bleiben. Für die Antworten auf solche Fragen reicht ein Profil aber nicht aus. Beim ersten Tattoo entscheidet neben dem Motiv das Vertrauen, und das wächst mit dem, was man vorher nachlesen kann. Wie das bei anderen Betrieben aussieht, steht in Reicht Instagram statt einer eigenen Website?

Was vor dem ersten Tattoo geklärt sein will

Wer schon fünf Tattoos hat, schaut auf den Stil und schreibt dir. Beim ersten ist das anders. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat 2018 gefragt, wie riskant Menschen das Tätowieren finden: Von den Tätowierten hielten 87 Prozent das Risiko für niedrig, von allen anderen nur 45 Prozent. Wer noch kein Tattoo hat, schätzt das Risiko also deutlich höher ein, und aus dieser Gruppe kommen deine Erstkunden.

Worauf man achten sollte, hat das Bundesumweltministerium in eine Checkliste geschrieben. Elf Punkte sollte man vor der Wahl mit Ja beantworten können, vom Gewerbeschein über die Farben und die Beratung zu Allergien bis zu sterilen Nadeln und der Hygienenorm DIN EN 17169. Manche davon sind auf ein Studio zugeschnitten, etwa der separate Raum. Wer mobil tätowiert, sollte deshalb erklären können, wie er das im Wohnzimmer seiner Kunden löst.

Die elf Punkte der Checkliste des Bundesumweltministeriums zur Studio-Auswahl in Stichworten; zusammen 243 Zeichen, in eine Instagram-Bio passen 150

Was in 150 Zeichen passt

Für all das hat dein Profil eine Bio mit 150 Zeichen, und schon die elf Punkte passen dort als Stichworte nicht hinein. Highlights und angepinnte Beiträge helfen ein Stück, am Ende landen die meisten Fragen trotzdem in der Direktnachricht und werden dort einzeln beantwortet. Warum immer wieder dieselben kommen, steht in Immer dieselben Rückfragen?

Auf einer Website stehen diese Antworten einmal und in Ruhe: wie ein Termin abläuft, worauf du bei Hygiene und Farben achtest, wie das Tattoo danach gepflegt wird. Wer das vorher lesen kann, schreibt dir mit einer Anfrage, die schon zu dir passt, und kommt mit weniger Sorgen zum Termin. Weil bei dir die Person das Angebot ist, gehört dazu auch ein Abschnitt darüber, wer da kommt.

Auch das Gesetz verlangt etwas, das in einem Profil schwer unterzubringen ist. Die IHK Karlsruhe schreibt, dass die Impressumspflicht ausdrücklich auch Social-Media-Auftritte betrifft. Nach der Rechtsprechung reicht es, wenn die Angaben mit zwei Klicks erreichbar sind, und bei Verstößen nennt die IHK Bußgelder bis 50.000 Euro. Am einfachsten geht das über einen Link im Profil auf deine eigene Seite, wo Anschrift und Kontakt ohnehin stehen.

Gesucht wird nach Ort

Instagram bringt dich zu Leuten, die dir folgen oder denen der Feed dich vorschlägt. Wer ein Tattoo will und noch niemanden kennt, tippt bei Google etwas anderes ein, zum Beispiel tattoo blaubeuren oder tattoo erbach. Für solche Suchen braucht Google eine Seite, auf der steht, was du machst und in welcher Gegend.

Dominic tätowiert mobil unter dem Namen Dombo Combo, und Googles Auswertung seiner Website zeigt, wonach sie gefunden wird. In den letzten zwölf Monaten stand sie bei „tattoo blaubeuren“ und „tattoo erbach“ im Schnitt auf Platz 2. Wie du herausfindest, welche Worte deine Kunden tatsächlich eintippen, steht in Die geheime SEO-Regel.

Sechs Suchbegriffe, bei denen die Website von Dombo Combo bei Google erscheint, vier davon mit Ortsnamen, mit durchschnittlichem Platz in den letzten zwölf Monaten

Wenn das Konto plötzlich weg ist

Für Tätowierer, deren ganzes Portfolio in einem Profil steckt, gibt es ein Risiko. Instagram hat keinen Telefon-Support, und laut Verbraucherzentrale kommen Antworten nach wenigen Stunden oder erst nach mehreren Wochen. Wie zäh es wird, wenn ein Konto gesperrt ist, zeigt der Bericht der EU-Schlichtungsstelle Appeals Centre Europe: Zu über 4.600 Beschwerden über Kontosperren bei Facebook und Instagram hat Meta in weniger als 100 Fällen überhaupt Unterlagen geliefert.

Gehackt wird auch, sogar über Metas eigenen Wiederherstellungsdienst. Im Juni 2026 hat Meta einer US-Behörde gemeldet, dass über eine Lücke darin rund 20.000 Instagram-Konten übernommen wurden. Für dich als Tätowierer heißt das vor allem: Deine Galerie und der Weg, auf dem Kunden dich erreichen, gehören zusätzlich an eine Stelle, über die du selbst verfügst.

Über 4.600 zulässige Beschwerden über gesperrte Facebook- und Instagram-Konten bei der EU-Schlichtungsstelle, in unter 100 Fällen hat Meta Unterlagen geliefert

Frag im Termin nach

Welche Fragen vor einem Termin offen waren, wissen am besten die Leute, die gerade bei dir sitzen. Beim Tätowieren ist ohnehin Zeit zum Reden, also nutz sie:

  1. Frag deine nächsten drei Kunden, was sie vor dem Termin wissen wollten, und achte besonders auf die, die zum ersten Mal da sind.
  2. Frag gleich danach, wo sie nach der Antwort gesucht haben: in deinem Profil, bei Google, bei Freunden oder in einer Nachricht an dich.
  3. Schreib dir beides nach dem Termin in die Notizen auf dem Handy.
  4. Leg die drei Gespräche nebeneinander und schau, wo gesucht wurde und ob dort etwas stand.

Haben zwei von drei an derselben Stelle gesucht und dort nichts gefunden, weißt du, wo eine Antwort fehlt. Wer bei Google nach dir gesucht und nur dein Profil gefunden hat, ist trotzdem gekommen. Wer an derselben Stelle aufgegeben hat, hat nie bei dir angefragt, und ihn erreichst du nur, wenn dort etwas steht.

Was du daraus machst

Oft ist es eine Stelle, an die du selbst nicht denkst, weil du alle Antworten längst im Kopf hast: die Google-Suche nach deinem Namen, der Link in deinem Profil, die erste Nachricht an dich. Der nächste Schritt kann klein sein: ein Abschnitt auf einer Seite, ein besserer Link in der Bio, ein Satz, den du ab jetzt mitschickst.

Wenn du dabei eine zweite Meinung möchtest, melde dich gern. Dann schauen wir gemeinsam auf deine Antworten und darauf, wo sie am meisten bringen. Das erste Gespräch dauert 15 bis 20 Minuten, kostenlos und unverbindlich.

Ich bin Cristian.

Ich baue Websites für kleine Betriebe rund um Dellmensingen – und meistens auch das, was nach der Anfrage passiert: Bestätigung, Termin, Teilnehmerliste.
Ob davon etwas zu dir passt, hängt davon ab, wie bei dir heute Anfragen reinkommen.

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