Wer deine Über-mich-Seite liest, hat sich fast entschieden

Illustration: Frau steht vor einem Spiegel, im Spiegelbild sieht man eine Kundenansicht – symbolisiert die Verbindung von Persönlichkeit und Nutzen auf der Über-mich-Seite.

Der letzte Klick vor dem Anruf

Über die Über-mich-Seite wird viel geschrieben, und fast immer geht es um dieselbe Frage: wie viel Persönliches draufgehört. Ich halte das für die zweite Frage. Die erste ist, wann jemand diese Seite überhaupt aufschlägt – denn davon hängt ab, was dort stehen muss.

Kaum jemand fängt dort an. Wer deinen Namen bei Google eintippt, landet auf der Startseite. Wer nach einer Leistung sucht, landet auf der Seite dazu. Die Über-mich-Seite kommt danach, als zweiter oder dritter Klick, und zwar von jemandem, der schon halb entschieden ist und noch einmal kurz nachsehen will, mit wem er es zu tun hätte.

Das dreht ihre Aufgabe um. Sie muss niemanden mehr für dich gewinnen, das ist vorher passiert. Sie muss eine Entscheidung halten, die fast schon getroffen ist – und das ist etwas völlig anderes, als sich vorzustellen.

Gesucht wird nach der Sache, nicht nach dir

Ich schaue mir bei den Seiten, die ich betreue, regelmäßig an, über welche Adresse die Leute aus der Suche hereinkommen. Ganz oben stehen überall dieselben: die Startseite und die Seiten zu den einzelnen Angeboten. Kindergeburtstag auf dem Bauernhof, Trockenbau in der Nähe, Ferienhaus mit Hund. Eine Über-uns-Seite ist bei keiner dabei, und bei mehreren gibt es sie überhaupt nicht.

Sie ist die letzte Prüfung, bevor jemand seine Nummer hinterlässt oder eben doch noch drei andere Ergebnisse anklickt. Und die findet in einem Moment statt, in dem der Besucher genau weiß, was er noch wissen will.

Was jemand kurz vorher noch wissen will

Die Fragen an dieser Stelle sind erstaunlich praktisch. Seit wann gibt es den Betrieb? Geht da jemand ans Telefon, wenn ich anrufe, oder lande ich auf einem Band? Und was passiert, wenn mitten im Auftrag etwas dazwischenkommt? Das sind keine Sympathiefragen. Das sind Risikofragen, und sie stellen sich genau in dem Moment, in dem jemand Geld ausgeben will.

Bei Sakura Sushi in Ulm habe ich das an einer Stelle gesehen, an der man es nicht sucht. Wer die Karte durchging und bestellen wollte, hatte am Ende alles über das Essen gelesen und nichts über den Laden. Dabei kommen die Stammgäste genau deswegen wieder: weil sie wissen, wer dort in der Küche steht. Online war davon nichts zu finden.

Das ist der häufigere Fall, nicht die ausufernde Lebensgeschichte. Und was jemand nicht findet, denkt er sich dazu. Was er sich dazudenkt, fällt selten besser aus als das, was du hättest hinschreiben können.

Das Persönliche muss zu deiner Arbeit führen

Privates gehört auf die Seite, es muss nur irgendwo ankommen. Deine Kindheit auf dem Hof gehört drauf, wenn du heute Kinder auf den Hof holst. Deine zweite Ausbildung gehört drauf, wenn sie erklärt, warum du zwei Dinge kannst, die sonst niemand zusammen anbietet. Das Foto mit dem Hund gehört drauf, wenn deine Gäste mit Hund kommen dürfen.

Welcher Satz über dich etwas trägt und welcher nur gut klingt, ist ein Thema für sich – ich habe es im Artikel über die Ego-Falle ausführlich aufgeschrieben, samt einem Test dafür. Hier geht es um die Seite selbst und um die Frage, ob du sie überhaupt brauchst.

Bei mir ist es keine eigene Seite geworden

Eine eigene Über-mich-Seite habe ich selbst nicht. Bei einem Betrieb, der aus einer Person besteht, wiederholt so eine Seite meistens das, was auf der Startseite ohnehin steht, nur länger – und sie wird zur Ausrede, das Persönliche von der Startseite fernzuhalten. Bei mir steht es deshalb mitten drin, zwischen den Projekten und den Preisen.

Was dort steht, ist kurz: dass ich Webdesigner aus Dellmensingen bin und vor allem mit kleineren Unternehmen arbeite. Dass ich mich vor dem Webdesign mit E-Commerce, Werbetexten und Social Media beschäftigt habe. Dass ich Familie habe. Und dass ich bewusst nur wenige Projekte gleichzeitig annehme.

Der Satz über die Familie steht nicht da, weil er sympathisch ist. Er steht da, weil er den Satz danach erklärt: Wer wenige Projekte gleichzeitig annimmt, braucht dafür einen Grund, sonst klingt es nach Ausrede. Genau so gehört Privates auf eine Seite – als Begründung für etwas, das den Leser betrifft.

Erinner dich an den Letzten, den du selbst beauftragt hast

Den nächsten Schritt machst du allein: zehn Minuten und dein Gedächtnis. Denk an das letzte Mal, dass du selbst jemanden beauftragt hast – einen Handwerker, einen Fotografen, den Steuerberater. Nicht an die Arbeit, sondern an die halbe Stunde davor, in der du dich entschieden hast.

Jetzt schreib auf, was du in dieser halben Stunde über die Person nachgeschlagen hast. Meistens kommen ein paar Punkte zusammen, und sie sind bemerkenswert unspektakulär. Fast immer fällt dabei auch einer ein, den du gesucht und nicht gefunden hast.

Diese Liste ist der Inhalt deiner eigenen Über-mich-Seite. Nicht das, was du gern über dich erzählen würdest, sondern das, wonach du selbst suchst, wenn du auf der anderen Seite stehst. Die beiden Listen decken sich selten, und der Abstand dazwischen ist die Arbeit.

Wann sich eine eigene Seite lohnt

Drei Fälle, in denen ich dazu rate. Wenn mehrere Leute im Betrieb arbeiten, weil dann die Frage, wer am Ende kommt, echt ist und auf der Startseite keinen Platz hat. Wenn deine Vorgeschichte erklärt, warum du arbeitest, wie du arbeitest – der Landwirt, der Pädagoge geworden ist, hat online etwas zu erzählen. Und wenn dich Leute als Person buchen und nicht als Betrieb.

Trifft keiner der drei zu, reicht ein Abschnitt auf der Startseite. In den meisten kleinen Betrieben ist das die bessere Lösung: eine Seite weniger, die veraltet, und der Teil über dich steht da, wo ihn jemand liest, statt hinter einem Klick, den kaum einer macht.

Und wenn du deine Liste geschrieben hast und nicht weißt, was davon auf deine Seite gehört: Schick mir den Link und erzähl mir, was du machst. Ich sage dir, was ich stehen lassen und was ich ergänzen würde. Ein kurzes Gespräch, kostenlos und unverbindlich – 15 bis 20 Minuten.

Ich bin Cristian.

Ich baue Websites für kleine Betriebe rund um Dellmensingen – und meistens auch das, was nach der Anfrage passiert: Bestätigung, Termin, Teilnehmerliste.
Ob davon etwas zu dir passt, hängt davon ab, wie bei dir heute Anfragen reinkommen.

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