„Nimm dich zurück“ ist der halbe Rat
Der Rat dazu steht überall und geht so: Nimm dich zurück, auf deiner Website geht es nicht um dich, sondern um deinen Kunden. Der stimmt auch – und trotzdem richtet er oft mehr an als das Problem, das er lösen soll. Weil viele danach anfangen, sich unsichtbar zu machen, und am Ende eine Seite steht, die von niemandem mehr handelt.
Es geht nicht darum, ob du über dich redest. Es geht darum, an welcher Stelle und mit welchen Sätzen. Ich fange mit meiner eigenen Seite an, da kann ich am ehesten zeigen, was ich meine.
Inhaltsverzeichnis
Auf meiner eigenen Startseite komme ich spät
Wer bei mir landet, sieht zuerst einen Satz darüber, worum es überhaupt geht. Dann drei Projekte: Hannas Hofglück, Dombo Combo, Sakura Sushi. Dann, wie eine Zusammenarbeit abläuft, in vier Schritten. Dann, was die Leute sagen, mit denen ich gearbeitet habe. Und erst danach kommt der Abschnitt, der „Ich bin Cristian“ heißt.
Wer auf meiner Seite landet, hat etwas, das ihn stört – eine Seite, die nichts bringt, ein Ablauf, der jede Woche Zeit frisst. Bevor ihn interessiert, wer ich bin, will er wissen, ob ich so etwas schon mal gelöst habe. Erst wenn das geklärt ist, wird die Frage, mit wem er es zu tun hätte, überhaupt interessant. Vorher ist sie eine Unterbrechung.
Gestrichen ist der Abschnitt aber nicht, und das ist der Teil, der beim Standardrat meistens untergeht. Er steht nur da, wo er eine Frage beantwortet, statt eine zu stellen. Umgekehrt sieht man das Ergebnis auf vielen Seiten: Ganz oben ein großes Foto und ein Absatz über den eigenen Werdegang, und der Besucher scrollt daran vorbei, weil er noch gar nicht weiß, ob er überhaupt richtig ist. Bis er es weiß, ist der Werdegang für ihn nur Weg.
Das Gegenteil kommt genauso oft vor
Bei Bujar war es andersherum. Er hat Buli-Bau in Süßen – Trockenbau, Akustikbau, Sanierung, dazu Werbetechnik. Auf seiner alten Seite stand oben „Herzlich Willkommen auf der Homepage der Firma Buli Bau“, darunter drei Kästchen mit Baustellenfotos.
Was nirgends stand: dass er 20 Jahre Erfahrung hat und für Volkswagen, Mercedes-Benz und OBI gearbeitet hat. Das ist keine Selbstdarstellung. Das ist die Antwort auf die Frage, die sich jeder stellt, der ihn noch nicht kennt – kann der das überhaupt. Ich vermute, es stand deshalb nicht da, weil es sich beim Hinschreiben nach Angeben anfühlt. Und das ist der häufigere Fehler, nicht der andere: nicht zu viel über sich, sondern das Falsche. Viel Haltung, wenig Nachweis.
Beides kommt übrigens aus derselben Ecke. Der Satz „mit Leidenschaft dabei“ und die weggelassene Referenzliste leisten dasselbe: Beide reden über dich, ohne etwas zu belegen. Der eine, weil er sich gut anhört. Der andere, weil das Belegbare zu laut vorkommt.
Woran du beides unterscheidest
Die Trennlinie ist einfacher, als sie klingt. Ein Satz über dich gehört auf die Seite, wenn er eine Frage beantwortet, die sich jemand vor der ersten Nachricht stellt. Er gehört nicht drauf, wenn er nur gut klingt.
Eine Frage beantworten Sätze wie: wie lange du das schon machst. Für wen du bisher gearbeitet hast. Wer am Ende tatsächlich bei ihm im Haus steht – du selbst oder jemand anderes. Was passiert, wenn etwas schiefgeht. Warum du ausgerechnet dieses Handwerk machst, falls die Antwort mehr hergibt als „schon immer“.
Keine Frage beantworten Sätze wie: dass du mit Leidenschaft dabei bist. Dass Qualität bei dir an erster Stelle steht. Dass zufriedene Kunden dein höchstes Gut sind. Dein Lebenslauf in voller Länge. Und Auszeichnungen, die außerhalb deiner Branche niemand einordnen kann. Das Zweite ist nicht falsch, es steht nur bei allen anderen genauso da.
Meistens lässt sich der zweite Satz in den ersten übersetzen, wenn man kurz nachdenkt. „Wir arbeiten sauber“ ist so ein Fall – das schreibt jeder Betrieb hin. „Wir räumen jeden Abend auf, auch wenn wir am nächsten Morgen wiederkommen“ ist derselbe Gedanke, nur dass jemand danach weiß, was ihn erwartet, wenn du drei Tage bei ihm im Haus bist. Der zweite Satz ist nicht schöner. Er ist nachprüfbar.
Der Ersetzen-Test
Zehn Minuten, und du kommst allein durch.
Nimm den Text deiner Startseite und deiner Über-mich-Seite. Ersetze deinen Namen durch den deines direkten Mitbewerbers, den du ohnehin kennst, und stell dir sein Logo darüber vor. Dann lies es noch einmal von vorn.
Stimmt der Text danach immer noch? Dann steht da nichts über dich, sondern das, was in deiner Branche alle über sich schreiben. Bei den meisten Seiten überleben ein oder zwei Sätze diesen Test – und das sind genau die, die nach oben gehören. Der Rest darf stehen bleiben, er trägt nur nichts.
Bei Bujar hätte der Test sofort angeschlagen: „Herzlich Willkommen auf der Homepage der Firma“ funktioniert mit jedem Namen dahinter. „Wir haben für Mercedes gearbeitet“ nicht.
Wo du trotzdem hingehörst
Es gibt Fälle, da bist du selbst das Angebot. Dominic tätowiert mobil, er kommt zu dir nach Hause statt umgekehrt. Da ist „wer steht da gleich in meinem Wohnzimmer“ keine Nebenfrage, sondern die Hauptfrage. Bei ihm gehört die Person weit nach vorn, weil genau darüber entschieden wird.
Bei kleinen Betrieben ist das häufiger so, als der Standardrat zugibt. Wenn du der Betrieb bist, hilft es niemandem, wenn die Seite so tut, als wäre da eine Firma mit Abteilungen. Wie eine Über-mich-Seite aussieht, die das trifft, ist ein eigenes Thema.
Der Unterschied bleibt derselbe: Jeder Satz über dich muss eine Frage beantworten, die sich jemand ohnehin stellt. Die Menge ist zweitrangig.
Wenn du den Ersetzen-Test machst und danach nicht weißt, was übrig bleiben soll: Schick mir den Link, dann lese ich mit und sage dir, welche Sätze ich stehen lassen würde. 15 bis 20 Minuten, kostenlos und unverbindlich.
Ich bin Cristian.
Ich baue Websites für kleine Betriebe rund um Dellmensingen – und meistens auch das, was nach der Anfrage passiert: Bestätigung, Termin, Teilnehmerliste.
Ob davon etwas zu dir passt, hängt davon ab, wie bei dir heute Anfragen reinkommen.

